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Freitag, 13. Januar 2012

Tatort Supermarkt



Einkaufswagen, Supermarkt, Konsum
Bild: mr.nico / aboutpixel.de
Millionen Tonnen Lebensmittel werden jährlich aus unterschiedlichen Gründen vernichtet. Verpackungen werden immer aufwändiger und deshalb auch umweltschädlicher. Die ständige Auswahl, aller möglichen Produkte, erfordert viele Transportkilometer.

Die Macht des Verbrauchers wird oft propagiert, aber Wunder kann selbst er nicht vollbringen.
Der verdächtigte Supermarkt sitzt auf der Anklagebank.





Das Schlaraffenland
Der Supermarkt ist ein toller Ort, man findet dort heutzutage fast alles. Nicht nur Lebensmittel, sondern auch Haushaltswaren, Pflegeprodukte, Spielsachen, Schreibwaren und natürlich Suchtmittel wie Alkohol oder Tabak. Doch diese grenzenlose Konsummöglichkeit fordert natürlich auch ihren Tribut. Meist bei der Umwelt.

Lebensmittel müssen gut aussehen, das Auge isst ja bekanntlich auch mit. Doch Bananen, Gurken und wie sie alle heißen wachsen meist nicht makellos. Wie derStandard neulich berichtete müssen Wälder, Tiere und Einwohner in den produzierenden Ländern einen großen Preis dafür zahlen, dass wir hier krumme Bananen und gerade Gurken vorfinden.

Große Mengen Pestizide werden per Flugzeug auf riesige Monokulturen gespritzt, da das billiger kommt als per Hand zu sprühen. Bis zu 40% des Giftnebels verfehlen ihr Ziel und kontaminieren umliegende Dörfer und Wälder. Mal abgesehen davon, dass die heimischen Tiere es sowieso schon schwer haben, zwecks Bananenplantagen und die darauffolgende Monokultur überhaupt noch Nahrung zu finden, wird die Übrige auch noch vergiftet. Trotz aller Bemühungen, die perfekte Frucht herzustellen, müssen am Ende viele Lebensmittel aussortiert werden und landen auf dem Müll, bevor sie je ein Verbraucher zu Gesicht bekommt.

Ein weiterer Faktor, der uns das Schlaraffenland ermöglicht ist die ständige Verfügbarkeit von Lebensmitteln. Unabhängig davon, ob gerade Saison dafür ist oder nicht. Das hat natürlich auch seine Schattenseiten. Meist bedeutet das großen Transportaufwand. Die Waren müssen über den halben Kontinent geschafft werden, oft mit mehreren Zwischenstationen, damit sie in der prall gefüllten Theke Platz nehmen können.
Doch das ist nicht alles, die Horrorvorstellung schlechthin wäre ja, wenn mal ein Regal leer bleibt und der Kunde einen Tag auf Nachschub warten müsste. Deshalb fällt der Lagerbedarf meist großzügig aus. Da Nahrungsmittel bekanntlich nicht ewig halten und das Haltbarkeitsdatum sicherheitshalber konservativ gewählt wurde müssen in Folge dessen viele Köstlichkeiten in den Müll geschmissen werden. Zum Glück hat das unsere Verbraucherministerin auch schon erkannt und will schnellstmöglich eine Studie anfertigen lassen, das nenne ich mal Tatendrang.

Die Macht des Kunden
Sie können jetzt aus Protest natürlich auch das Containern anfangen und nachts auf die Jagd nach genießbaren, weggeworfenen Lebensmitteln machen. Oder aber sich ein Herz fassen und die wenigen geraden Bananen und krummen Gurken, die es doch noch in die Theke geschafft haben kaufen. Kleine Taten verändern die Welt und wenn es viele machen, wird sich das auch nachhaltig auf die Supermarktpolitik auswirken.
Der beste Protest ist jedoch nur das einkaufen, was benötigt wird. Auf regionale Produkte achten und als Kaufkriterium nicht die schönste Verpackung wählen.

Auch Bio-Produkte sind eine Lösung, jedoch sehe ich den Biowahn persönlich ein bisschen kritisch. Es macht schon Sinn Lebensmittel wie (regionales) Fleisch, Milch, Käse usw. mit dem Biosiegel zu kaufen. Aber mit dem Hype, gibt es kuriose Auswüchse rund um dieses Siegel. Bioprodukte „made in China“ oder Biobananen sehe ich mehr als skeptisch. Oft gibt es auch gar nicht die nötige Kapazität den Bedarf an Bioprodukten zu decken. Langfristig ist Bio natürlich eine Lösung, Landwirte bekommen wieder Geld für Wertarbeit und nicht für Masse statt Klasse, Tiere und Natur würden davon profitieren. Nötig dazu wären aber transparentere Kriterien und ein Verbot von nicht regionalen Produkten. Aber dazu könnte man einen eigenen Blogeintrag machen, sonst wird es zu viel.

Supermärkte in der Pflicht
Hand in Hand gegen diese Missstände wäre das beste Mittel, doch das ist Träumerei. In der Regel werden Supermärkte erst etwas dagegen unternehmen, wenn sie merken, dass die Einnahmen aus diesen Gründen sinken. Manche haben sogar schon etwas dagegen unternommen.

ProPlanet, Siegel, Rewe
Die ProPlanet Reihe von Rewe
Ich persönlich weiß nur von der Image-Kampagne von Rewe, weil ich dort öfters mal einkaufen gehe. Doch die ist auch ein wenig mager. Im Großen und Ganzen geht es darum mehr Bio-Produkte anzubieten, die auch bezahlbar sind. Dafür wurde die Pro-Planet-Reihe eingeführt. An der Kasse findet man jetzt auch Papiertüten mit großen Aufdruck ala „Papiertüten für den Umweltschutz“ oder so ähnlich. Den blauen Engel (100% Altpapier) sucht man jedoch vergeblich darauf. Das ist zwar besser als nichts, aber ein ernsthafter Anfang sieht anders aus.

Was mich letztens jedoch erfreut hat war, dass sie am Ende des Einkaufs Äpfel verschenkt haben, die sie nicht mehr verkaufen konnten.

8 Kommentare:

Klaus hat gesagt…

Ein schöner Artikel. ich finde es auch ziemlich schlimm, wie sorglos doch mit den Lebensmitteln umgegangen wird. Viel zu viele Lebensmittel werden täglich einfach weggeschmissen. Man kauft einfach zu viel und das, was nicht gebraucht wird, kommt dann in die Tonne. In anderen Ländern werden solche Lebensmittel dringend benötigt.

Tim hat gesagt…

Ja, danke für diesen Artikel!
Wir sind wirklich eine krasse Wegwerf-Gesellschaft geworden! Allein, wie viele Tonen Lebensmittel nicht mal den Weg in den Supermarkt schaffen, ist erschreckend. Ich hätte wirklich nichts dagegen, wenn es hier in Deutschland weniger Angebote gäbe, oder auch nur zur einer bestimmten Zeit Saisonale Lebensmittel.
Die Lösung, einen Mix aus Bio und Fair Trade fänd ich auch ganz gut.

Chr. hat gesagt…

Die in dem, übrigens sehr gelungenen, Artikel aufgestellte These, dass die Macht für Veränderung primär beim Verbraucher liegt, ist meiner Ansicht nach korrekt. Lebensmittelkonzerne reagieren auf Kundenwünsche. Wünschte der Kunde Billig! - Wird das Angebot auch danach ausgerichtet. Steht die Qualität beim Kunden im Vordergrund und ist er auch in der Lage diese zu überprüfen (der Preis einer Ware lässt sich einfacher überprüfen)wird auch der Anbieter zumindest mittelfristig sein Angebot anpassen. Ich denke "Verbraucheraufklärung" ist der Schlüssel. Gruß

Dominik hat gesagt…

Ich hab mir das bei einem geschenkt bekommenen Ingwer Tee von Sonnentor heute gedacht. Viel Plastik, teurer Prägedruck etc.

Der Konsument ist viel stärker als er denkt. Wäre er jetzt noch konsequent.. *yeahhh"

Martin hat gesagt…

Ich würde immer mal drüber gucken, ob die Produkte Palmöl enthalten, da dies ein häufiger Grund für Brandrodungen in den Anbaugebieten ist.

kellerlanplayer hat gesagt…

Freut mich, dass der Artikel hier so gut ankommt. Ich achte jetzt auch noch einen Tick mehr beim Einkauf. Und bei der Ernährung werde ich auch immer fleischärmer.

@Martin: Ja, das war hier auch schon öfters Thema. Z.B hier. Aber noch ist es schwer herauszufinden, woher das Palmöl kommt. Hilfe kann da die Weiße Liste für Palmöl geben.

Thomas hat gesagt…

Der durchschnittliche Konsument ist so gestrickt, dass er lieber die glänzende Doppelverpackung wählt als eine einfache umweltfreundliche beim gleichen Inhalt. Das ist das wo die Gesellschaft in jahrelangen Kampagnen hingeführt hat.

Johannes hat gesagt…

Gefällt mir sehr gut der Artikel! Mir ist dieser saturierte und rücksichtslose Umgang mit Lebensmittel schon seit Jahren ein Dorn im Auge, deswegen habe ich auch meine Nahrung umgestellt um möglichst nachhaltig zu agieren. Ich hoffe, dass mehr und mehr Menschen darüber informiert werden und ihre Augen öffnen. Das wird ein langer und steiniger Weg und letztendlich muss auch die Nahrungsmittelindustrie ihr Verhalten ändern um kein Leben im totalen Überfluss zu schaffen, was wir ja bald, wenn nicht sogar jetzt schon, errreicht haben.